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Dank an das Gründungspräsidium,Reimund Scheuermann - Bundesministerium für Bildung und Forschung

14. September 2001

 

 

 

 

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin Harth,

Sehr geehrter Herr Minister Schreier,

Sehr geehrter Herr Präsident David,

Sehr verehrte Frau David,

Sehr geehrte Freunde der Deutsch-Französischen Hochschule aus Parlamenten, Ministerien Hochschulen, Städten und Gemeinden und öffentlichen Einrichtungen,

Hochverehrte Teilnehmer an dieser Festversammlung,

 

gestatten Sie, lieber Herr David, dass ich meine kleine Rede zu Ihrem Abschied als Gründungspräsident der DFH mit Rückblick auf die vergangenen 2 1/2 Jahre mit einem Vers aus der deutschen Literatur beginne. Der Vers ist berühmt und in unserem heutigen Zusammenhang scheint er paradox, ist es aber nicht. Er lautet:
„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...“
Wir, die Mitglieder des Hochschulrates, aber auch das Team des Sekretariats die wir unter Ihrer Leitung die Gründung der DFH in konkreto mit zu gestalten hatten, haben diesen Zauber auf uns wirken lassen. Und er hat gewirkt in der Weise, dass bei allen Schwierigkeiten, wirklich wie von Zauberhand, sich alle Kontroversen für die DFH und ihre Studenten zum Guten gewendet haben.

 

Ich habe mich oft gefragt, wie die ersten Tage und Wochen eines Gründungspräsidenten verlaufen:
Da haben Sie Ihre Ernennungsurkunde, die Öffentlichkeit verbindet die neue Organisation mit Ihrem Namen, die Erwartungen von Politik und Hochschulöffentlichkeit sind – Sie wissen es – sehr groß.
Gute Geister im Hintergrund haben für Räume und einen Schreibtisch gesorgt, und da sitzen Sie nun, die Aufgaben sind klar - beide Staaten haben sie deutlich definiert -, Hunderte von Studierenden warten auf die Weiterzahlung ihrer Stipendien, die Hochschulen wollen neue Programme auf den Weg bringen, die Politik erwartet neue Anstöße für die deutsch-französischen Hochschulbeziehungen, ja für die deutsch-französischen Beziehungen insgesamt.

 

Da scheint sich der Zauber zu verflüchtigen, ein Zauberer und Zauberei wären gefordert.

 

Nun wissen wir, dass Zauberei zu einem guten Teil aus Übung, Erfahrung und gutem Handwerk besteht. Dafür jedoch waren Sie gerüstet. Ihre beeindruckende, mehr als 20jährige Erfahrung als vielfacher Präsident - der Universität Metz, des ISFATES, des DFHK -, Ihre tiefe Verwurzelung in den institutionellen deutsch-französischen Hochschulbeziehungen, dazu Ihr Humor, Ihre sensibel-diplomatische Zurückhaltung gerade wegen Ihrer herausragenden Kenntnisse und Erfahrungen des binationalen Umfelds, befähigten Sie, diese große und schwierige Aufgabe zu übernehmen – und das nach dem offiziellen Ende Ihrer akademischen Karriere. Ihr Ruhestand ist dadurch zu einem guten Teil ein „Unruhestand“ geworden. Sie, verehrte Frau David, könnten davon gewiss ein Lied singen. Unser Dank heute gilt daher auch Ihnen.

 

Es gab Helfer, in einer kurzen Übergangszeit das Team des DFHK, und natürlich stand immer an der Seite des Gründungspräsidenten kompetent, verbindlich und charmant die Gründungsvizepräsidentin Frau Harth.
Sie, verehrte Frau Harth, haben unauffällig im Hintergrund dafür gesorgt, dass vieles auf dem richtigen Weg blieb. An allem, was ich an Gutem zu berichten habe, haben Sie Ihren gehörigen Anteil. In wenigen Minuten werden Sie offiziell als erste reguläre, mit großer Mehrheit von der Mitgliederversammlung auf Vorschlag des Hochschulrates gewählte Präsidentin der DFH Ihr Amt übernehmen. Der Dank für Ihre Arbeit als Gründungsvizepräsidentin kann nicht besser zum Ausdruck gebracht werden als mit dem durch die Nominierung und die Wahl ausgedrücktem Vertrauen in Ihr neue Funktion.

 

Nach der Ernennung des Gründungspräsidenten und der Gründungsvizepräsidentin im April 1999 konstituierte sich am 17. September, also vor gerade 2 Jahren, der Hochschulrat. Ein gutes dutzendmal hat er seit dem unter der Leitung von Herrn David getagt, zuerst in kurzen, zuletzt in längeren Abständen.
Kein einziges Mal, lieber Herr David, waren Sie verhindert.

 

Die Herausforderungen waren groß.
- Es galt, die äußere Kontinuität mit den DFHK so zu garantieren, dass die Programme ohne Unterbrechungen weiter liefen, die Studierenden ihre Stipendien erhielten und die Hochschulen die Gelder für die laufenden Programme; aber zugleich waren neue Kurse auf den Weg zu bringen, vorhandene Programme, die den Anforderungen nicht mehr entsprachen, mussten beendet werden; schließlich waren die Aufgaben der neuen Hochschule gemäß dem Weimarer Abkommen zu konkretisieren und in die Wege zu leiten;

 

- es galt, die Hochschule als binationale Körperschaft zu aufzubauen, Personal zu gewinnen, Möbel, Computer und ihre Vernetzung zu installieren, dafür zu sorgen, dass das Geld, das vorausschauende Beamte beider Staaten in die Haushalte hatten einstellen lassen, korrekt und pünktlich ausgezahlt wurden; Gremien waren zu besetzen und arbeitsfähig auszustatten;

 

- es galt, die beiden administrativen Kulturen Frankreichs und Deutschlands so aufeinander abzustimmen und miteinander zu verbinden, dass bei den Beteiligten keine Friktionen entstanden und die Belange der DFH nicht nur nicht behindert, sondern gefördert wurden (Meine Damen und Herren, bitte entschuldigen Sie diese blassen Andeutungen über zentrale und föderale Strukturen, über beneidenswert flexibles Haushaltsrecht auf der französischen Seite, das sich, wie zu spüren ist, der Wirklichkeit anpassen lässt und von haushaltsrechtlich eisenhart bestimmter Gestaltung der Wirklichkeit auf deutscher Seite).

 

Aber trotzdem: was ich an Aufgaben beschrieben habe, ist in den Gründungsjahren gelungen. Gewiss, es gab Leute, die schneller noch mehr erwartet hatten, gewiss war von dem Zauber des Anfangs manchmal weniger zu spüren, manchmal waren Stress und Zauber nicht zu unterscheiden. Wenn dann allerdings andere Staaten auf die DFH schauten, sie als Modell betrachteten und nur zu gerne mit im Bunde wären, dann war uns klar, wie attraktiv das Modell „DFH“ für Europa ist und was da entstanden ist und weiter wächst: Es lohnt sich, dafür zu arbeiten.

 

Der Grund ist nun gelegt, dass sich die Projekte der DFH weiter entfalten, dass eine Mentalität spürbar wird, die die Programme und Studierenden noch stärker in den Blick nimmt und ins klare Licht des Bewusstseins hebt, dass sie, die Programme und Studierenden, es sind, deretwegen die DFH gegründet worden ist.
Darüber hinaus wird sich das „Forum“, das so effizient ist, dass Aussteller und Besucher es sich in jährlichem Abstand gewünscht haben, weiter etablieren.
Besonders wichtig ist schließlich, dass sich auch Diplome und Forschung mit dem Namen der DFH verbinden.

 

Die schon erreichten Erfolge ließen sich durch Zahlen belegen, aber ich will darauf verzichten, denn Quantität ist zwar mit ihren konkreten Zahlen fassbarer als abstrakt beschriebene Erfolge und Ziele, auch die Mittel, die die beiden Staaten zur Verfügung stellen, sagen für sich nicht viel aus. Wichtiger ist, dass sich die Zahl der Programme fast verdoppelt hat – jetzt doch eine Zahl: von 60 auf über 100 – und sich die Zahl der Studierenden bei der DFH etwa verdreifacht hat, ein sicheres Zeichen für die enge Verbindung der beiden Nationen im Hochschulbereich.

 

Diese gut qualifizierten jungen Leute sind auf dem Arbeitsmarkt begehrt, sie bewegen sich mit Leichtigkeit in beiden Nationen und für sie spielen die Unterschiede, die für uns Ältere, die wir nur in einem System ausgebildet sind und darin arbeiten, keine Rolle mehr. Im Verhältnis zu den Millionen von Studierenden in beiden Ländern ist diese Zahl noch gering. Aber sie wird wachsen und ich denke, wir werden exzellente Botschafter haben.

 

Dass dieser Prozess so gut in Gang gekommen ist, zwar noch Anstöße braucht, aber doch absehbar sich selbst ausweitet, weil es leicht geworden ist, im jeweils anderen Land zu studieren – Menschen wie Ihnen, sehr geehrter Herr David, sehr geehrte Frau Harth, verdanken wir dies.
Es ist mir und meinem französischem Kollegen eine Ehre, diesen Dank heute überbringen zu dürfen und es ist uns eine Freude Ihnen, Herr David, als sichtbares Zeichen kleine Geschenke zum Abschied und zur Erinnerung überreichen zu dürfen. Es handelt sich (von deutscher Seite) um eine deutsche Literaturgeschichte noch aus der Zeit (vor fast 120 Jahren), als man Literatur noch mit zwei tt geschrieben hat. Es war die Zeit, in der beide Nationen ihr Heil in der Herausstellung ihrer Unterschiede gesucht haben. Das Werk will nach den Worten des Autors „keinen streng-wissenschaftlichen Charakter haben, sondern einem großen Kreis von Interessierten Literaturgeschichte nahe bringen; augenscheinlich ist das dem Autor gelungen, denn ich habe nur ein Exemplar der 18. Auflage erstehen können. Das Werk enthält eine Reihe von Facsimilia und viele Stiche – Fotos waren noch nicht verbreitet – von schon damals bedeutenden oder für bedeutend gehaltenen Schriftstellern, über die die Zeit hinweg gegangen ist. Und natürlich enthält es eine milde Prise von der Zeit entsprechendem Patriotismus. Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre und verbinde dies mit allen guten Wünschen für eine lange, gesunde, dem, was man Ruhestand nennt, mindestens angenäherte, Zeit im Kreise Ihrer Familie.
Den sehr herzlichen Dank an Sie, verehrte Frau Harth, verbinde ich mit dem Zauberwunsch des Anfangs, wobei ich den neuen Vizepräsidenten, Herrn Autexier, von Herzen einschließe.

 

Vielen Dank!