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Ansprache der Präsidentin, Helene Harth

14. September 2001

 

 


Meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

Durch die Reden, die wir bereits gehört haben, ist uns allen noch einmal sehr bewußt geworden, daß wir heute einen ersten historischen Einschnitt in der Entwicklung der deutsch-französischen Hochschule erleben: den Abschluß der Gründungsphase. Wenn ich auf die beiden Gründungsjahre zurückblicke, dann möchte ich dem Gründungspräsidenten, meinem Kollegen Jean David, dem Team der Geschäftsstelle unter der Leitung von Christine Klos, aber auch den Mitgliedern des Hochschulrates aus beiden Ländern, den Programmbeauftragten und vielen Ratgebern, die unsere Arbeit unterstützt haben, sehr herzlich für ihren Rat und ihre Hilfe danken. Sie alle haben diese beiden Gründungsjahre für mich zu intensiven Lehrjahren werden lassen und mit dazu beigetragen, daß es uns gelungen ist, den im Weimarer Abkommen vorgesehenen Strukturen der DFH reale Gestalt zu geben. Die von den zuständigen Politikern beider Länder geplante und durch Experten sorgfältig vorbereitete virtuelle Hochschule hat jetzt greifbare und für die Zukunft arbeitsfähige institutionelle Formen angenommen. Allen temporären Schwierigkeiten der Gründungsphase zum Trotz – wir alle wissen ja, daß es gelegentlich im Getriebe auch geknirscht hat – konnten wir das Erbe des Hochschulkollegs, die integrierten Studiengänge, die dort entstanden waren, bewahren und es auch bereits erweitern. Die Anzahl der integrierten Studiengänge ist von 63 auf 100 angestiegen. Die Studierendenzahlen haben sich erheblich vergrößert und steigen weiter. Das gibt mir die Möglichkeit, heute in meiner kleinen Ansprache den Blick vor allem auf die Zukunft zu richten und Ihnen einige Worte zum Arbeitsprogramm und den Perspektiven der nächsten beiden Jahre meiner Präsidentschaft zu sagen.

 

Eine der wichtigsten Prioritäten meiner eigenen Arbeit und der Arbeit der Geschäftstelle in Saarbrücken sehe ich auch in Zukunft in der effizienten Beratung und Unterstützung der Programmbeauftragten und der Hochschulen, die die integrierten Studiengänge betreuen. Denn ihrem persönlichen Einsatz, ihrer Sachkenntnis und ihrem Engagement verdanken wir das wertvollste akademische Kapital der DFH. Leider kann ich es noch nicht ganz mit Herrmann Harder und Jacques Sparfel, den ehemaligen Generalsekretären des DFHK aufnehmen, die jeden Programmbeauftragten persönlich kannten und berüchtigt dafür waren, daß sie bei allen Schwierigkeiten auch stets mit Rat und Tat in die Bresche sprangen. Soweit ich konnte, habe ich bereits als Vizepräsidenten versucht, ihrem Vorbild nachzueifern und als Präsidentin habe ich nun vielleicht endgültig die Chance, die von den beiden so hoch gelegte Service-Messlatte zu erreichen. Auf jeden Fall bitte ich Sie, liebe Freunde und Kollegen, die sich zum Teil seit Jahren oder gar Jahrzehnten, um die Programme bemühen, schenken Sie mir und den Mitarbeitern der Geschäftstelle ihr Vertrauen und seien Sie versichert, daß wir alles tun werden, um ihre Arbeit zu unterstützen und ihr neue Perspektiven zu eröffnen. Wir wollen keine Einrichtung sein, die nur Geld auszahlt. Wir brauchen ihre konstruktive Mitarbeit und ihre kritische Begleitung unserer Arbeit, um die Institution mit Leben zu füllen. Ich übertreibe nicht, wenn ich Ihnen sage, die DFH, das sind nicht nur die Präsidenten, die Generalsekretäre, die Geschäftstelle oder die institutionell verankerten Gremien. Die DFH, das sind Sie alle mit ihren Ideen und Aktivitäten. Sie haben es entscheidend in der Hand, die Hochschule mitzugestalten.

 

Um den einzelnen Fachkulturen die Möglichkeit zu geben, ihre Belange innerhalb der DFH in vertiefter und aktueller Weise zu vertreten, hatte ich anläßlich der Mitgliederversammlung im Juni die Gründung von Fachgruppen vorgeschlagen, die auf unseren Internetseiten präsent sein sollen. Bei den Juristen, den Wirtschaftswissenschaftlern, den Ingenieurwissenschaften und den Informatikern sind sie inzwischen bereits realisiert worden. Weitere Fachgruppen werden folgen.

 

Inzwischen haben wir auch Ziele in Angriff genommen, die über die Betreuung der Doppeldiplomstudiengänge hinaus laut Weimarer Abkommen von der DFH erwartet werden. Es ist uns gelungen, die institutionellen Probleme der deutsch-französischen Graduiertenkollegs durch eine Vereinbarung zwischen der DFG, dem Ministère de la Recherche und der DFH zu lösen und damit neue Kooperationsmöglichkeiten in diesem Bereich zu eröffnen. Das Interesse daran ist, wie ich von der DFG weiß, sehr groß und wir erhoffen uns ein starkes Echo auf eine demnächst erfolgende erste Ausschreibung.

 

Wir haben Ihnen durch eine erste Ausschreibung von Aufbaustudiengängen die Möglichkeit geboten, neue Studienstrukturen , etwa Master-Studiengänge, von kürzerer Dauer und interdisziplinärem Zuschnitt zu erproben. Damit bietet sich die Gelegenheit, möglicherweise eine bisher nicht erreichte studentische Klientel anzusprechen und für unsere Ziele zu gewinnen. Wir haben auch eine neue Vereinbarung mit den Time-Programmen vorbereitet, die es diesen Programmen ermöglichen wird, im Rahmen der DFH weiter erfolgreich mitzuarbeiten, ohne daß wir sie in das Prokrustes-Bett unerfüllbarer Kriterien zwingen müssen.

 

Um die bisher noch kaum reflektierte Forschungskooperation zwischen beiden Ländern konzeptionell mit allen beteiligten Institutionen und Sachkennern vorzubereiten, habe ich eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema einberufen, die sich demnächst in Saarbrücken treffen wird. Ich bin durch das interdisziplinäre Frankreichforschertreffen von Berlin sehr intensiv in meiner Überzeugung bestärkt worden, daß wir Anstrengungen vor allem im Bereich der Nachwuchswissenschaftler aller Disziplinen machen müssen. Ihren innovativen Konzepten muß Raum gegeben werden in Gestalt von thematisch fixierten interdisziplinären Treffen, die wir mit finanzieren werden. Denn diese jungen Forscher werden auch die künftigen Multiplikatoren unserer Arbeit sein.

 

Die Gründungsphase, liebe Freunde und Kollegen, hat uns in den letzten beiden Jahren stark nach innen blicken lassen. Wir mußten unsere institutionellen Strukturen entwickeln und stabilisieren und wir sind dem Saarland als Sitzland der DFH sehr dankbar, daß es uns für dieses anstrengende Geschäft in Gestalt der Villa am Staden einen so angenehmen räumlichen Rahmen zur Verfügung gestellt hat. In Zukunft wird unsere Aufmerksamkeit aber weit mehr noch als bisher auf die öffentliche Wirkung und Präsenz der DFH gerichtet sein. Ich schlage Ihnen vor, daß wir Programmbeauftragtentreffen und auch Versammlungen unserer Mitgliedshochschulen künftig an wechselnden deutschen und französischen Orten durchführen, an denen unsere Mitgliedshochschulen bereit sind, uns als Gäste zu empfangen. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns ermuntern, bei solchen Anlässen zu Ihnen zu kommen, wobei die Logistik der Veranstaltungen natürlich von unserer Geschäftsstelle betreut wird. Wir wollen solche Gelegenheiten nutzen, um auf die Studiengänge der DFH in der jeweiligen Region nachdrücklich aufmerksam zu machen und zugleich innerhalb der gastgebenden Hochschule die Hochschulöffentlichkeit auf die erfolgreiche Arbeit der Programmbeauftragten hinzuweisen und neue Interessenten zu werben.

 

Wir werden auch das bisher so erfolgreiche Forum Hochschulen und Wirtschaft, das im November dieses Jahres in Straßburg stattfindet und das wir nachdrücklich unterstützen, für die Außenwerbung der DFH nutzen. Bietet es doch unseren Absolventen geradezu ideale Möglichkeiten, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu testen. Hochschul- und Wirtschaftsvertreter werden dort in diesem Jahr über das Verhältnis von Hochschulausbildung und Arbeitsmarkt, über Einstellungkriterien der Unternehmen und über das Verhältnis von Forschung und Wirtschaft diskutieren. Ich möchte in diesem Zusammenhang allen Ministerien und Wissenschaftsinstitutionen, die das Forum bisher so erfolgreich gestaltet haben, herzlich danken und das kleine aber effiziente Forum- Team in Straßburg unter der Leitung von Johanna Mauerer ermuntern, seine Arbeit mit Phantasie und Engagement fortzusetzen.

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wenn ich zutiefst überzeugt bin, daß die anstrengende Gründungsarbeit der letzten beiden Jahre sich gelohnt hat, dann deshalb, weil ich glaube, daß es uns in vielen Bereichen gelungen ist und noch weiter gelingen wird, fundierte Bausteine für eine künftige europäische Hochschullandschaft zusammenzutragen. Von den integrierten Studiengängen bis zu den deutsch-französischen Graduiertenkollegs von der sprachlichen Vorbereitung der Auslandsaufenthalte bis zur Forschungskooperation läßt sich aus den Lösungen, die wir gemeinsam mit unseren Mitgliedshochschulen in Deutschland und Frankreich entwickeln und erproben für eine zukünftige Hochschulkooperation in Europa lernen. Wir können einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Entstehung und Gestaltung einer europäischen Hochschullandschaft leisten, einen Beitrag, der nicht nur auf dem Papier steht, sondern der durch Erfahrung abgesichert ist. Einen ersten Schritt dazu sehe ich in der Erweiterung unserer Aktivitäten auf eine Kooperation mit Drittländern. Ansätze dazu sind bereits vorhanden. Alle Probleme, die damit zusammenhängen, werden wir mit den Programmbeauftragten beim nächsten Treffen in einer Arbeitsgruppe ausführlich diskutieren. Und wir wollen in diese Richtung bereits in nächster Zukunft energisch vorangehen.

 

Erlauben Sie mir abschließend noch eine persönliche Bitte, die sich vor allem an die Ministerien der beiden Länder und an die Mitglieder des Hochschulrates und des Wissenschaftlichen Beirates aus Deutschland und Frankreich richtet. Die beiden Gründungsjahre waren für mich auch deshalb so kostbar, weil sie mir konkret vor Augen geführt haben, daß die DFH nur dann erfolgreich sein kann, wenn aus der Zusammenarbeit von Deutschen und Franzosen etwas entsteht, was über die Grenzen eines rein nationalen Denkens hinausgeht. Die erfolgreiche Arbeit des Hochschulrates bietet dafür in meinen Augen ein glänzendes Beispiel. Ich selbst werde mich in den kommenden beiden Jahren meiner Präsidentschaft aufgrund dieser Erfahrung nicht als deutsche Präsidentin verstehen, die im nationalen Sinne verstandene deutsche Interessen wahrnimmt. Viel eher begreife ich mich gemeinsam mit meinem Kollegen Autexier als Sachwalterin eines kostbaren Mehrwertes, der über nationale Grenzen hinaus aus unserer gemeinsamen Arbeit erwachsen wird. Um eine solche Rolle spielen zu können, brauche ich Ihr beiderseitiges Vertrauen. Sie kennen mich inzwischen aus der gemeinsamen Arbeit hinreichend, um zu wissen, daß ich es nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen werden. Also schenken Sie es mir!

 

Vielen Dank.