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Gruß- und Abschiedsworte durch die Generalsekretärin Christine Klos

14. September 2001

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,

Herr Minister,

Frau Präsidentin Harth,

Herr Präsident David,

Herr Vizepräsident Autexier,

Sehr geehrte Damen,

Sehr geehrte Herren,

Mesdames et Messieurs,


Diese Veranstaltung gibt Gelegenheit, Glück zu wünschen und Dank zu sagen.
Ihnen Frau Präsidentin Harth, und Ihnen Herr Vizepräsident Autexier, gratuliere ich ganz herzlich zu Ihrem neuen Amt und wünsche Ihnen eine erfolgreiche und glückliche Ausübung Ihres Amtes. Dies sage ich Ihnen nicht nur ganz persönlich, sondern auch im Namen der deutschen und französischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Generalsekretariates der Deutsch-Französischen Hochschule.
Sie übernehmen eine schwierige, aber auch außerordentlich interessante Aufgabe.

 

Interessant, weil Sie mit der DFH das Entwicklungs- und Versuchslabor par exellence für grenzüberschreitende Hochschulkooperation leiten werden. Eine internationale Einrichtung, die auf der Basis der Erfahrungen in der deutsch-französischen Hochschulzusammenarbeit und mit dem daraus gewachsenen Expertenwissens möglicherweise Motor einer auch andere Länder umfassenden europäischen Entwicklung werden kann, etwa bei der Umsetzung des im Weimarer Abkommen gegebenen Auftrags zur Schaffung eines deutsch-französischen Hochschuldiploms.
Schwierig ist die Aufgabe, weil zwei sehr unterschiedliche kulturelle Traditionen zur Erreichung eines Zieles gebündelt werden müssen. Auf diese Schwierigkeit der deutsch-französischen Zusammenarbeit gerade im kulturellen Bereich weist ein bekannter französischer Autor mit Bezug auf die Fabel von Jean de La Fontaine vom Fuchs und vom Storch hin. Sie erinnern sich vielleicht, meine Damen und Herren: Der Fuchs, der dem Storch, als seinem Gast, beim Mittagessen eine klare Brühe auf einem flachen Teller servierte. Der Storch hatte natürlich keine Chance, seinen Hunger zu stillen. Bei der Gegeneinladung fand dann der Fuchs die vom Storch vorbereiteten leckeren Speisen in langhalsigen, engen Krügen vor.
Unterschiedliche Rahmenbedingungen also, die eine Verständigung zunächst zumindest schwierig erscheinen lassen und deren Veränderung intensiver und phantasievoller Arbeit bedarf. Bei dieser Arbeit können Sie, Frau Prof. Harth und auch Sie, Herr Prof. Autexier, der engagierten, kompetenten und loyalen Unterstützung durch die deutsch-französische Equipe sicher sein.
Auch wir wollen, mit Ihnen gemeinsam, die Deutsch-Französische Hochschule, deren Gründungsphase mit dem heutigen Tag beendet ist, als übernationale völkerrechtliche Einrichtung und als Verbund deutscher und französischer Hochschulen zum Erfolg führen.


Ich sagte zu Beginn, diese Veranstaltung gibt auch Gelegenheit, Dank zu sagen. Es ist der Dank an den heute aus dem Amt scheidenden Gründungspräsidenten. Es ist mein persönlicher Dank und gleichzeitig der Dank aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Generalsekretariates der DFH für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit seit der Einrichtung des Generalsekretariates vor etwas mehr als eineinhalb Jahren. Von Ihrem großen Engagement, sehr geehrter Herr David, haben meine Vorrednerinnen und Vorredner schon gesprochen. Auch von der soliden Basis, die Sie in dieser Zeit für die Arbeit der DFH geschaffen haben, war schon die Rede.

 

Eine gute Basis für die Arbeit Ihrer Nachfolgerin und eine Bilanz, auf die Sie stolz sein können und sollten. Und wir im Generalsekretariat sind – das sage ich offen -gemeinsam mit Ihnen auch etwas stolz.
Ohne Ihre riesige Erfahrung in der deutsch-französischen Hochschulzusammenarbeit, ohne Ihre unschätzbaren, vielfältigen und wichtigen Kontakte, ohne das uneingeschränkte Vertrauen, das Sie bei allen deutschen und französischen Regierungsstellen genießen, ohne die große Hochachtung, die Ihnen die deutschen und französischen Hochschulen entgegenbringen, ohne die aus Ihrem Herzen erwachsende Überzeugungskraft könnte die Gründungsphase heute nicht mit dieser Bilanz zu Ende gehen.

 

Natürlich spürten wir bei unserer Arbeit auch immer wieder den kulturellen Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich. So ganz Unrecht hat der schon erwähnte Autor sicher nicht wenn er z. B. schreibt:
„Vous entendez dire, en Allemagne, c´est impossible, cent fois contre une en France ». Und ich bekenne, ich habe auch einige Male sagen müssen, « das geht nicht », etwa aus verwaltungsrechtlichen oder haushaltsrechtlichen Gründen. Dennoch fanden wir, wie der Erfolg zeigt, immer vernünftige Lösungen und – das sage ich ausdrücklich – bei Ihnen, Herr David, auch Verständnis.


Oft mussten Sie sich auch mit einer anderen deutschen Eigenart auseinandersetzen, von der unser Autor sagt: „Les Allemands veulent un résultat sérieux en tout". Ich habe von Ihnen gelernt, dass dies in Gesprächen und Verhandlungen nicht immer die am sichersten zum Ergebnis führende Verfahrensweise ist. Wir alle im Generalsekretariat der DFH Tätigen lernten unter Ihrer Präsidentschaft die kulturellen Unterschiede unserer beiden Länder nicht nur zu respektieren, sondern auch für ein gemeinsames Ziel nutzbar zu machen. Unser Autor beschreibt die Möglichkeiten dazu so: « Il faut se mesurer avec les idées en allemand, avec les personnes en français; il faut creuser à l´aide de l´allemand, il faut arriver au but en parlant français ».

 

Sie gaben, sehr geehrter Herr David, dem Generalsekretariat einen Charakter, der eine der wichtigen Voraussetzungen für den künftigen Erfolg der DFH sein wird und vielleicht ein Vorbild für andere, Sie machten es zu einer bikulturellen und daher besonders effizienten Einheit.
Wir danken Ihnen für diese Zusammenarbeit, für diese Erfahrungen, für dies Verständnis und wir haben uns überlegt, wie wir diesem Dank sichtbar und bleibend Ausdruck verleihen könnten. Wir entschieden uns für ein Buch. Aus ihm sind die gewählten Zitate entnommen. Und ich habe diese Zitate auch deshalb besonders gerne gewählt, weil sein Autor kein Autor, sondern eine Autorin ist und weil der Entschluss zu diesem Buch in Metz, in Ihrer Heimatstadt, gefasst wurde, zwischen dem 26. Oktober und dem 8. November 1803. Sie selbst, sehr geehrter Herr David, und wahrscheinlich viele andere haben längst herausgefunden, dass es sich bei der Autorin um Mme de Stael handelt und bei dem Buch um ihr in Frankreich lange umstrittenes Werk „De l´Allemagne". Sicherlich steht dieses Buch bereits in mehrfacher Ausführung in Ihrer Bibliothek, aber vielleicht noch nicht in einer im Jahre 1844 in Paris gedruckten Ausgabe. Diese haben wir für Sie in der Schweiz ausfindig gemacht.


Gestatten Sie mir noch ein letztes Zitat aus diesem Buch. Unter Hinweis auf die schon erwähnte Fabel vom Fuchs und vom Storch schreibt Mme de Stael:
« L´éternelle barrière du Rhin sépare deux régions intellectuelles qui, non moins que les deux contrées, sont étrangères l´une à l´autre ». Ihr bleibendes Verdienst, sehr geehrter Herr David, ist es, unermüdlich daran gearbeitet zu haben, Mme de Stael in dieser Ansicht zu widerlegen.