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Rede von Claudie Haigneré

Claudie Haigneré, Fotograf: Peter Pulkowski
v. l. n. r.: Albert Hamm, Claudie Haigneré, Stephan Geifes, Fotograf: Peter Pulkowski

Sehr geehrter Herr Staatssekretär,
Sehr geehrter Herr Präsident Hamm,
Sehr geehrter Herr Rektor Michaelis,
Sehr geehrte Damen und Herren Präsidenten und Rektoren,
Liebe Freunde,


mit großer Freude habe ich die Einladung des Präsidenten der Deutsch-Französischen Hochschule, Herrn Hamm, heute hier zu sprechen, angenommen.


Die Freude war umso größer, als die Veranstaltung an der Gutenberg-Universität in Mainz stattfindet, mit der wir ganz besonders verbunden sind, wie Herr Präsident Hamm gerade noch einmal verdeutlicht hat. Die Universität wurde mit Frankreichs Hilfe im Jahr 1946 neu gegründet. Deshalb möchte ich mich bei den Verantwortlichen der Universität Mainz und bei ihrem Präsidenten, Herrn Professor Michaelis, der uns heute empfängt, herzlich bedanken.


Mein ganz besonderer Dank gilt aber dem Präsidenten der Deutsch-Französischen Hochschule, Herrn Albert Hamm, und allen Mitarbeitern der DFH, deren Arbeit ich inzwischen noch besser kennen gelernt habe und deren tägliches Engagement entscheidend zum Gelingen dieses Projektes beigetragen hat. Wie Sie wissen, war es sowohl den französischen als auch den deutschen Regierenden stets ein Anliegen, dieses erfolgreiche Projekt zu unterstützen – durch finanzielle Zuschüsse, aber auch durch ihre Präsenz in wichtigen Entwicklungsetappen. Dies ist heute in Mainz der Fall, und er war es kürzlich in Saarbrücken, wo mein Kollege, der französische Bildungsminister François Fillon mit dem Bevollmächtigten für die deutsch-französischen kulturellen Angelegenheiten, Herrn Peter Müller, an den Feierlichkeiten im Rahmen des 5-jährigen Jubiläums der Hochschule teilgenommen hat. Ich möchte ebenfalls diese Gelegenheit nutzen, um dem Präsidenten, Herrn Hamm, nochmals für seine Unterstützung in Paris zu danken, wo wir im Januar gemeinsam für das Erlernen der Partnersprache geworben haben. Der Spracherwerb spielt selbstverständlich eine wichtige Rolle in der Schule und für den beruflichen Werdegang, aber auch in der Entwicklung von Beziehungen in der Wirtschaft und zwischen unseren beiden Zivilgesellschaften. Die Bedeutung des Erlernens der Partnersprache sowie der dazugehörigen Kultur kann nicht genug unterstrichen werden – nicht nur für ein Studium im Rahmen der DFH, sondern auch für jede andere erfolgreiche Hochschul- oder berufliche Ausbildung in Europa.


Es ist mir deshalb eine große Freude und Ehre, heute die Arbeit der Damen und Herren, die zum Erfolg der DFH beigetragen haben, zu würdigen, also die Arbeit von Ihnen allen. Ich möchte die bewundernswerte und einzigartige Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen im Rahmen der erweiterten Europäischen Union begrüßen, in der die Entwicklung von Partnerschaften auf der Basis eines tiefen gegenseitigen Verständnisses  immer wichtiger wird.


Wie Sie wissen, nehme ich derzeit Termine in ganz Frankreich wahr - selbst in entlegenen Regionen wie La Réunion, von der ich erst heute morgen zurückgekommen bin - um die Menschen über die Europäische Verfassung und ihre Herausforderungen, die auch die unseren sind, aufzuklären und sie dazu zu bewegen, am 29. Mai an die Wahlurnen zu gehen. Es war mir heute wichtig, hier zu sein, weil es ein besonderer Tag für Deutschland ist. Nicht nur die von Ihnen betriebene hervorragende Hochschulkooperation sei hier hervorzuheben, sondern insbesondere die Rolle der deutsch-französischen Beziehungen für den europäischen Integrationsprozess. Vor wenigen Minuten hat der Deutsche Bundestag die Europäische Verfassung mit überwältigender Mehrheit angenommen und damit ein wichtiges Zeichen gesetzt. Ein Zeichen für ein geeintes Europa, das auf solchen langjährigen, festen Partnerschaften und Verbindungen beruht und sich nun neuen Möglichkeiten, neuen Herausforderungen gegenüber öffnet. Man muss die französischen und deutschen Bürger daran erinnern, dass das Schicksal beider Länder in Europa eng miteinander verzahnt ist. Deutschland und Frankreich brauchen sich gegenseitig um voranzukommen und auch um Europa voranzubringen.


Ich denke, alle hier Anwesenden kennen die Geschichte der DFH und wissen um den Beitrag, den sie zur Verbesserung der Hochschulkooperation zwischen unseren Ländern geleistet hat. Sie haben erfolgreich daran gearbeitet und sie werden auch heute Nachmittag weiter daran arbeiten. An dieser Stelle möchte ich mich nicht wiederholen, die folgenden Fakten erscheinen mir jedoch wichtig: Zum heutigen Zeitpunkt sind knapp 1/3 der französischen Studierenden in Deutschland in einem von der DFH geförderten Studiengang eingeschrieben. Ähnliches gilt für die deutschen Studierenden in Frankreich. Die Zusammenarbeit ist also bereits überaus erfolgreich und sollte noch weiter ausgebaut werden.


In meiner Funktion als Beauftragte für die deutsch-französischen Beziehungen freue ich mich ganz besonders über diese sehr positiven Ergebnisse, die auch für die Zukunft sehr viel versprechend sind. Sie stellen ein Beispiel für den Erfolg der Mobilität und des Hochschulaustauschs dar, sowohl für unsere beiden Länder als auch für alle weiteren, die sich hiervon inspirieren lassen möchten.


Sie haben dazu beigetragen, den Rhythmus des gegenseitigen Austauschs zu beschleunigen - ein wichtiger Schritt zur Intensivierung der Mobilität. Diese Mobilität soll quantitativ zunehmen, aber Sie haben es insbesondere verstanden ihre Qualität in starkem Maße zu verbessern. Die ehemaligen Studierenden der DFH, mit denen ich heute Morgen gesprochen habe, haben dies klar bestätigt: sie haben nicht nur das Partnerland, sondern auch sich selbst besser kennen gelernt und haben darüber hinaus natürlich beide Abschlüsse erworben, mit denen sich ihnen sowohl auf dem französischen als auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt hervorragende Perspektiven eröffnen. Der Erwerb des Doppeldiploms ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Austauschs, den Sie mit Sicherheit weiter ausbauen werden.


Anlässlich des letzten deutsch-französischen Ministergipfels, der am 26. April stattfand, habe ich mit meinem Kollegen Hans-Martin Bury, dem Verantwortlichen für die deutsch-französische Zusammenarbeit hier in Deutschland – dem ich vorhin übrigens telefonisch zum Ergebnis im Bundestag gratuliert habe – einen Mobilitätsplan vorgestellt, durch den die noch vorhandene Hindernisse im Bereich der Mobilität überwunden werden sollen. Wir haben die bestehenden Probleme zusammengetragen und eine Reihe von Lösungsansätzen unterbreitet, die in einem realistischen Zeitraum umgesetzt werden sollen. Gewisse Hindernisse bleiben dabei zunächst noch bestehen. Wir sind jedoch fest entschlossen, auch diese zu überwinden. Im Bereich der Mobilitätsförderung von Studierenden und Forschern sowie der Netzwerkbildung ist Ihre Unterstützung daher essentiell. Doch diese ist nicht nur in Bezug auf die Förderung der Mobilität zwischen Deutschland und Frankreich wichtig, sondern auch im Hinblick auf die Steigerung der Attraktivität der gesamten europäischen Hochschul- und Forschungslandschaft, die uns sehr am Herzen liegt, spielt Ihre Unterstützung eine wesentliche Rolle. Sie ist deshalb so bedeutsam, weil wir der Strategie von Lissabon nach einer enttäuschenden Anfangsphase eine neue Richtung gegeben haben, die große Herausforderungen birgt. In den kommenden Jahren werden wir die Dynamik sowohl auf europäischer Ebene als auch auf der Ebene der einzelnen Mitgliedsstaaten stärker vorantreiben, damit diese auf dem Geiste beruhende „Wissenswirtschaft“ sich stärker ausbreiten kann und die allseits erwarteten Wachstums- und Arbeitsmarktimpulse liefern kann.


Ich möchte daher nochmals die Vorreiterrolle der DFH in diesem Prozess betonen und zähle auch für weitere Schritte auf Ihre Unterstützung. Wie ich heute Morgen festgestellt habe, sind eine Reihe der integrierten deutsch-französischen Studiengänge bereits anderen Partnern gegenüber offen, also trinational ausgerichtet.


Dieser Erfolg ist Ihnen zu verdanken. Erlauben Sie mir deshalb, Ihnen für die Zukunft alles Gute zu wünschen. Auch wenn noch vieles zu tun bleibt. Auf dass die deutsch-französische Zusammenarbeit, die uns allen sehr am Herzen liegt, weiterhin eine Vorreiterrolle im Herzen der europäischen Integration übernehmen kann! Ich habe bereits über den Europäischen Verfassungsvertrag gesprochen. Ich denke, dass es in Zukunft vor allem auf zwei Dinge ankommt: auf die intensive Zusammenarbeit zwischen uns, die wir täglich neu umsetzen, die Sie alle täglich leben und auf das gemeinsame Engagement für eine noch ehrgeizigere europäische Zukunft. Ich bin heute hierher gekommen, um Ihnen meine Anerkennung und meinen Dank auszusprechen und Ihnen meine besten Wünsche für eine erfolgreiche Arbeit am heutigen Tag, in den nächsten Monaten und Jahren zu übermitteln.


Ich danke Ihnen.

 

 

 

Fotos: Peter Pulkowski

Hinweis zum unteren Bild: v. l. n. r.: Albert Hamm, Claudie Haigneré, Stephan Geifes