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Interview von Prof. Dr. Pierre Monnet mit der Agence Education emploi Formation (AEF)...

...anlässlich der 9. Versammlung der Mitgliedshochschulen und des Programmbeauftragtentreffens der DFH am 20.-21.05.2008 in Aix-en-Provence

 

„Wir haben immer mehr Studierende, aber unsere Mittel bleiben seit vier Jahren unverändert“ (Pierre Monnet, Deutsch-Französische Hochschule)

 

 

„Wir würden uns eine Erhöhung der Mobilitätsbeihilfe wünschen, aber es ist unmöglich: Wir haben immer mehr Studierende, aber unsere Mittel bleiben seit vier Jahren unverändert“, wehrt Pierre Monnet, französischer Vize-Präsident der DFH (Deutsch-Französische Hochschule) ab. Er reagiert damit auf eine Empfehlung des Evaluationsberichts, den die DFH selbst bei einer binationalen Arbeitsgruppe aus Mitgliedern des deutschen Wissenschaftsrats und seines französischen Pendants, der Inspection générale de l'administration, de l'éducation et de la recherche (IGAENR), angeregt hatte. Deren Bericht wurde den Programmbeauftragten und Experten auf ihrer Sitzung am 21. Mai 2008 in Aix-en-Provence vorgestellt. Auf dem jährlichen Treffen der 150 Partner- und Mitgliedshochschulen der DFH wurde auch ein neuer deutscher Vize-Präsident gewählt. Es handelt sich um Prof. Dr. Otto Iancu. Pierre Monnet kommt wieder auf die Hochschule zu sprechen und kommentiert den Bericht der Arbeitsgruppe.

 

AEF: Wie weit sind die Überlegungen zur Weiterentwicklung Ihrer binationalen Studiengänge?

Pierre Monnet: Wir planen eine stärkere Öffnung sowohl geographisch als auch disziplinär. Aber wir fragen uns, ob wir tatsächlich trinationale Studiengänge mit Drittländern brauchen oder diese einfach zusammen mit anderen frankophonen oder deutschsprachigen Ländern in Europa weiterentwickeln sollen, also mit der Schweiz, Belgien, Österreich usw. Die Evaluatoren halten eine Erweiterung auf Drittländer für „problematisch“. Was die Fachrichtungen angeht, so verteilen sich unsere Studiengänge zu 35% auf die Ingenieurwissenschaften, zu 25% auf die Wirtschaftswissenschaften, wir haben 19% Geistes- und Sozialwissenschaftliche Studiengänge, 8% Naturwissenschaften, 7% Rechtswissenschaften, 4% Lehrerausbildung und 1% Medizin. Diese Aufteilung ergibt sich aus den Angeboten der Partnerhochschulen. Vielleicht sollten wir offensiver auf die Inhalte eingehen und uns diversifizieren? Der Bericht jedenfalls, wie er jetzt vorliegt, rät zur „Beibehaltung der bisherigen Praxis“.

 

AEF: Der Bericht weist auf die geringe Höhe der Mobilitätsbeihilfe hin.

Pierre Monnet: Ja. Die Autoren sind der Auffassung, dass eine monatliche Mobilitätsbeihilfe von 300 Euro statt der heute 250 Euro erforderlich ist. Sie halten sogar für bestimmte Orte wie Paris, München oder Stuttgart, an denen die Lebenshaltungskosten höher sind als anderswo, einen noch höheren Betrag für wünschenswert. Das wünschen wir uns natürlich auch, aber es ist unmöglich. Das Problem ist, dass wir immer mehr Studierende haben, aber seit vier Jahren einen unveränderten Haushalt, der zu jeweils 50% von Frankreich und Deutschland finanziert wird. Wir haben heute 4.700 Studierende in 144 Studiengängen, während es bei Gründung der DFH 1999 gerade mal 1.500 Studierende waren.

 

AEF: Ihre Aktion im Bereich der Forschungsförderung wurde hervorgehoben, ja sie wurden sogar darin bestärkt.

Pierre Monnet: Das stimmt. Wir machen Fortschritte bei der Einrichtung deutsch-französischer Doktorandenkollegien. Es handelt sich um eine Kooperation zwischen den Graduiertenkollegs (z. B. der DFG) und den französischen Ecoles doctorales. Es sind nun insgesamt 30 über alle Fachrichtungen hinweg, viele davon in den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie den Rechtswissenschaften. Das sind vom interkulturellen Standpunkt aus gesehen die beliebtesten Bereiche für Doktoranden. Wir haben auch sogenannte cotutelles de thèse, also deutsch-französische Promotionen, die gleichzeitig von einem deutschen und einem französischen Hochschullehrer betreut werden und zu einer gemeinsamen Promotion führen. Darüber hinaus haben wir gerade zusammen mit der Association Bernard Gregory (ABG) eine gemeinsame deutsch-französische Anlaufstelle geschaffen mit dem Ziel, den Berufseinstieg junger Doktoranden zu fördern durch individuelle Begleitung bei der Stellensuche, Seminare, Sammeln von Stellenanzeigen.

 

AEF: Im Bericht wird das Problem der Akkreditierung aufgeworfen. Können Sie bitte erläutern, um was es dabei geht?

Pierre Monnet: Wir haben in beiden Ländern unterschiedliche Verfahren. In Frankreich werden die Studiengänge vom Ministerium kostenlos durch eine sogenannte „habilitation“ akkreditiert, während die Hochschulen in Deutschland für die Akkreditierung ihrer Studiengänge durch die nationalen Akkreditierungsagenturen zahlen müssen. Die DFH ist keine Akkreditierungseinrichtung und die Evaluatoren kommen in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass dies auch „nicht sinnvoll“ wäre. Unsere Aufgabe ist es, bereits akkreditierte Studiengänge miteinander in Kontakt zu bringen. Derzeit wird sogar der französische Teil der binationalen Studiengänge von den deutschen Agenturen zum Teil evaluiert und diese wenden ihre eigenen Anforderungskriterien an… Das momentan praktizierte System der doppelten Akkreditierung ist auf die Dauer zu aufwändig. Im Idealfall, was heute noch rein hypothetisch ist, müsste es eine europäische Akkreditierungsagentur geben. Davon abgesehen plädieren wir zumindest dafür, dass beide Länder den Partnerhochschulen ihr Vertrauen entgegenbringen.

 

AEF: Die Umsetzung des Bologna-Prozesses und die Harmonisierung der Studiengänge sind eine enorme Herausforderung für Ihre binationalen Studiengänge.

Pierre Monnet: Ja, das macht uns viele Schwierigkeiten aufgrund der erheblichen Asymmetrien zwischen dem deutschen und dem französischen System.

Einerseits gibt es in Frankreich noch Überbleibsel von Maîtrise und DEA, dem Diplôme d’études approfondies, mit einem Filter zwischen Master 1 und Master 2, während es in Deutschland keine Hürde zwischen dem ersten und dem zweiten Masterjahr gibt (dafür aber zwischen Bachelor und Master). Der Bericht empfiehlt, über die Frage nachzudenken, ob die DFH spezielle Masterstudiengänge initiieren sollte. Andererseits sehen die französischen Grandes écoles keine Licence als Studienabschluss vor, da sie erst nach zwei Jahren Vorbereitungsklasse rekrutieren und dreijährige Studiengänge anbieten. Da in Deutschland die Umstellung auf die BA/MA-Struktur konsequent vollzogen wird, braucht man unbedingt eine Licence, um sich für ein Masterstudium zu bewerben. Wir haben mit der KMK verhandelt, um einen Kompromiss und eine Sonderregelung zu finden.

 

 

Quelle: AEF, www.aef.info

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der AEF.