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Ich hab heute eine Hummel ... im Hintern
Wie viele ihrer Artgenossen stechen Hummeln, wenn man sie ärgert. Ansonsten sind sie eigentlich harmlos. Sie schwirren von Frühjahr bis Sommer brummend über die Blüten und bestäuben dadurch alle Arten von Pflanzen. Sie können aber auch ziemlich schlechte Stimmung verbreiten und dazu reicht sogar schon eine einzige kleine Hummel.
Hat man in Frankreich "die Hummel", ist man nämlich total schlecht drauf. Ob Beziehungsende, schlechte Schulnote, gescheiterte Präsentation
oder Krach mit der besten Freundin,
all das sind Gründe für
„avoir le bourdon“
was so viel bedeutet wie traurig, deprimiert oder einfach nur schlecht drauf sein.
Die Erklärungsversuche für diese Redewendung gehen mal wieder weit auseinander. Zum einen wird die in dumpfen Tönen brummende Hummel mit den dunklen Gedanken in Verbindung gebracht, die einem in deprimiertem Zustand durch den Kopf schwirren. Zum anderen wurde scheinbar eine große Glocke, die sehr tiefe Töne produzierte und schlimme Ereignisse, wie beispielsweise Todesfälle und nationale Niederlagen, ankündigte, ebenfalls „bourdon“ genannt. Zudem wird auch die Bassseite in Frankreich „bourdon“ genannt, die ja bekanntlich recht tiefe Töne von sich gibt.
Man kann übrigens auch eine Kakerlake haben, denn „avoir le cafard“ bedeutet in etwa das gleiche wie „avoir le bourdon“. Der Ursprung dieser Redewendung ist etwas plausibler: Ist man völlig verarmt, zerfällt nach und nach das Haus und es nistet sich Kleinvieh ein (igitt!!!).
Für deutlich angenehmere Stimmung sorgt da die deutsche Hummel-Redewendung „Hummeln im Hintern haben“, auch wenn das für den Betroffenen vielleicht weniger lustig ist. Man kann natürlich anatomisch gesehen nicht wirklich quicklebendige Hummeln im Hintern haben. Trotzdem sagt man in Deutschland von einer Person, die ständig auf Achse ist und nicht mal einen Moment lang still sitzen bleiben kann, sie habe Hummeln im Hintern. Auf diesen amüsanten Vergleich ist angeblich bereits Luther gestoßen, der ihn dann auch gleich in seine Sprichwörtersammlung aufnahm. Und warum hat man gerade Hummeln und nicht etwa Bienen oder Wespen im Hintern? Diese possierlichen Tierchen sitzen ebenfalls niemals tatenlos irgendwo herum. Sie sind ständig auf der Suche nach Nektar und fliegen deshalb ruhelos hin und her.
In englischsprachigen Ländern hat man im Unruhezustand übrigens mit ganz anderen Kleintieren zu kämpfen. Dort sorgen nämlich Ameisen in der Hose für das Herumgezappel („to have ants in one’s pants“). Fragt sich, was angenehmer ist...



