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Jemanden einsalben
Wenn man von einer Person eingecremt wird, tut das in der Regel immer gut. Ob es sich nun um Heilsalbe bei kleinen 'Wehwehchen' handelt, um Sonnencreme am Strand oder um schmerzstillendes Gel bei juckenden Insektenstichen. Wenn Salbe nicht eingerieben sondern „gereicht“ wird, erhält der an sich wohltuende Prozess aber einen etwas unschönen Beigeschmack. „Jemandem Salbe reichen“ bedeutet in Frankreich nämlich, dass man jemandem in übertriebener Weise Komplimente macht, und zwar in der Absicht, diese Person für sich zu gewinnen.
Der Ursprung der Redewendung ist ziemlich einleuchtend. Mit Salbe konnte man schon in früheren Zeiten viele gesundheitliche oder 'optische' Probleme heilen. Sie wurde auf Basis von Apfelkompott hergestellt (daher auch ihre französische Bezeichnung „pommade“) und je nach Einsatzgebiet mit unterschiedlichen Zusatzstoffen versehen. So war sie nicht nur für rissige Haut, glanzloses Haar oder kleine Verletzungen ein wahrer Trost, sondern zugleich „Balsam“ für die Seele. Übertreibt man es mit der Salbe bzw. dem Balsam, so wird daraus übertriebene und oftmals mit Hintergedanken versehene Fürsorge. Und so bedeutet
„passer de la pommade à quelqu’un“
also jemandem schmeicheln, um ihn günstig für sich zu stimmen.
In Deutschland wird nicht gesalbt sondern geschmiert oder, wenn Sie es zu doll treiben, sogar geschleimt. Die gängigste und zudem amüsanteste Redewendung ist wohl „jemandem Honig ums Maul schmieren“. Eine ziemlich klebrige Angelegenheit, aber andererseits auch nicht das unangenehmste, was einem passieren kann. Immerhin wird man hierzulande wenigstens mit etwas Süßem eingerieben. Während wir entweder mit Honig oder auch mit Brei wahlweise anderer Leute Maul, Mund oder Bart einschmieren, schmieren andere mit Butter („to butter somebody up“) oder – was hingegen wenigsten funktional ist – mit Creme. Obwohl Honig ja auch ganz gut für die Haut sein soll...



