Dr. Sidonie Kellerer

© Jacek Routa

Dr. Sidonie Kellerer

 

„Zerrissene Moderne. Descartes bei den Neukantianern, Husserl und Heidegger“

 

Die Studie untersucht den in den Jahren 1870 bis 1937 anhaltenden Bezug auf René Descartes bei drei Hauptvertretern der deutschen Philosophie und zeigt, dass in dieser Auseinandersetzung nichts Geringeres verhandelt wird, als die grundlegenden Koordinaten der „Moderne“. Angesichts der rasanten Entwicklung der Naturwissenschaften und der Technik versuchen die Neukantianer und Husserl mit Descartes, die fraglich gewordene Begründungsfunktion der Philosophie wiederherzustellen. Unter dem Einfluss der Lebensphilosophie und im entschiedenen Bruch mit der neukantianischen und phänomenologischen Erkenntnistheorie, entwirft Heidegger dagegen eine Existenzialanalytik, in der die Universalität der Partikularität weicht. Der heideggerianische Anti-Cartesianismus versteht sich als spezifisch deutsches Unternehmen und birgt dementsprechend nationalen und politischen Sprengstoff. Das konservative Denken machte sich im Anschluss an Heidegger einen Anti-Cartesianismus zu eigen, der zum Markenzeichen einer deutschen Identität in Abhebung gegen die Romanität und die rationalistische Aufklärung stilisiert wurde. Die Verstrickungen der deutschen Philosophie mit dem nationalsozialistischen System bilden daher den Fluchtpunkt der Studie.

 

Sidonie Kellerer, Jahrgang 1978, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie an der École normale supérieure in Paris, an der Universidad Complutense in Madrid und an der Johns Hopkins University in Baltimore. Nach einer Magisterarbeit zur Rezeption Ortega y Gassets im Nachkriegsdeutschland, untersuchte sie in ihrer Dissertation die Rezeption René Descartes’ bei den Neukantianern, Husserl und Heidegger. Seit 2010 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Internationalen Kolleg „Morphomata“ in Köln.